60 Jahre Sportverein

BSG Fortschritt – TSV Brünlos e.V. 60 Jahre WALDSPORTPLATZ am Volkshaus

Sicher werden sich einige fragen: Ist die Sportgeschichte von Brünlos erst 60 Jahre alt?

Dem ist natürlich nicht so. In diesem Beitrag soll in einem kurzen historischen Überblick die Entwicklung des Brünloser Sports bis hin zur Gründung der BSG „Fortschritt“ Brünlos 1953 als Ausgangspunkt des 60-jährigen Jubiläums berichtet werden. Eine ausführliche Abhandlung über die Sporthistorie ist in der Broschüre „Der Sport in Brünlos – 1887-2003 vom Turnverein „Gut Heil“ bis zum Turn- und Sportverein Brünlos e.V.“ zu lesen.

 

Nachweislich gab es bereits 1897 den Turnverein „Gut Heil“ in Brünlos. Im Laufe der folgenden Jahrzehnte gründeten sich weitere Sportvereine. So entstanden zum Beispiel ein Ballspielverein und ein Radfahrverein (Saal- bzw. Kunstradfahren). Neben dem bürgerlichen Sportverein kam es in den zwanziger Jahren zur Gründung des ersten Arbeitersportvereins „Freiheit“.

Die Entwicklung des immer populärer werdenden Sports, vor allem des Turnens und des Fußballs erforderten natürlich Turn- und Übungsplätze. So gab es in Brünlos im Laufe der Zeit an mehreren Plätzen sportliche Betätigungen. Geturnt und gespielt wurde damals auf dem Turnplatz an der Felix-Küchler Straße (ehemals Kurze Straße), am Waldschlößchen spielte der Arbeiterturnverein Fußball. Der bürgerliche Turnverein fand kurzzeitig ein neues Domizil an der Volkshausstraße (heute Parkplatz Bad). Auch auf einem Platz hinter der Gaststätte Held (an der Hauptstraße, heute Haus Fam. Ahner) wurde Sport getrieben.

Das dringende Problem des fehlenden Sportplatzes für den Arbeitersportverein konnte über den Gemeinderat geklärt werden. Man entschied sich für die Wiese am Waldrand, das heutige Sportplatzgelände am Volkshaus. Der Platz wurde quer vom Wald bis zum jetzt noch bestehenden Wanderweg angelegt. Später wurde die Spielrichtung, so wie man heute spielt, um 90 Grad gedreht. Aber dadurch hatte der Platz viel Gefälle und war damals auch kürzer.

Mit Geldspenden und vielen Arbeitseinsätzen baute sich 1928/30 die Brünloser Arbeiterschaft in unmittelbarer Nähe des neu errichteten Fußballplatzes ein eigenes Vereinsheim mit Saal. Mit der Fertigstellung des Saales war praktisch das „Volkshaus“ das neue Zentrum zumindest des Arbeitersports in Brünlos.

Manche Sportarten z.B. das Saal- bzw. Kunstradfahren des Radfahrvereins entwickelten sich wegen fehlender Mittel nicht weiter und in den folgenden Jahren gab es im Prinzip nur noch den bürgerlichen- und den Arbeitersportverein.

Mit der Machtübernahme durch das Naziregime 1933 erfuhr die positive Entwicklung des Sports in Brünlos einen Rückschlag. Der Arbeiterturnverein wurde verboten und die Gaststätte „Volkshaus“ als Eigentum des Vereins geschlossen. Später war im „Volkshaus“ für einige Wochen die 4. Kompanie eines Übungsstraßenbau-Bataillons untergebracht. Auch eine Nutzung als Kindergarten fand statt. Selbst der bürgerliche Turnverein musste seine Bezeichnung „Gut Heil“ in „Heil“ ändern. Der gesamte Sportbetrieb fand in der Nazi-Zeit nur noch unter der Regie der nationalen Körpererziehung statt. Damit die Arbeitersportler überhaupt noch Sport treiben konnten, mussten sie dem bürgerlichen Turnverein beitreten.

Mit dem 1939 beginnenden 2. Weltkrieg kam der Sport, vor allem der Fußball, größtenteils zum Erliegen.

Nach Kriegsende und der damals entstandenen Ostzone, war es zunächst undenkbar, die Arbeit in den alten Sportvereinen wieder aufzunehmen bzw. neue Vereine zu gründen.

Jede Vereinstätigkeit war durch den SMAD (Sowjetische Militäradministration) verboten. Damit endet auch die Geschichte des bürgerlichen Turnvereins „Gut Heil“ in Brünlos endgültig.

Unter schwierigsten Bedingungen begannen Sportler wie Albert Strobel, Alfred Kropp, Hans Falke, Rudolf Seidel und  Wilfried Hähnel uneigennützig die Turn- und Sportbewegung neu zu gestalten.

Mit dem neuen Aufschwung in der Sportbewegung wurden natürlich auch höhere Anforderungen besonders durch den Fußball an den Zustand des Sportplatzes am Volkshaus gestellt. Treffend wird der Zustand des Sportplatzes in zwei alten Aufzeichnungen geschildert.

 

„Am Volkshaus, umgeben von rauschenden Fichten, liegt ein sturzackerartiges Gelände, das den seltsamen Namen „Sportplatz“ trägt; seltsam deshalb, weil bei diesem Knöchel- und Beinbruchgelände schon längst nicht mehr von einer sportlichen Anlage gesprochen werden kann!“

 

„Achtung! Sportler und Sportlerinnen! Anhänger des Fußballsportes!

Endlich ist es wieder so weit, die Punktspiele beginnen! Wieder werden wogende Zuschauermassen in den Bann gewaltiger Fußballschlachten gezogen, werden Sieg oder Niederlage erlebt.

Im „Stadion“ am Volkshaus wird unsere rasante Elf auch den schwersten Gegnern Kämpfe auf Biegen und Brechen liefern; Brünlos gilt schon immer im internationalen Fußballsport als heißer Boden. Ja du liest richtig, ein heißer Boden. Aber warum? Nicht immer wegen der Kampfstärke unserer Elf, sondern – weil Brünlos einen Platz ganz besonderer Klasse bieten kann. Der tückische Rasen nämlich versetzt dem Ball einen Dreh und weg ist das Biest.“

 

So entstanden die ersten Ideen zum Bau eines neuen Sportplatzes 1947. Doch im Dorfwirtschaftsplan war ein Baubeginn erst im Frühjahr 1951 vorgesehen. Am 1. Mai 1951 vollzog der Bürgermeister Günter Rößler den 1. Spatenstich für den neuen Platz. Der Platzbau wurde zu einer echten Gemeinschaftsarbeit der Brünloser Bevölkerung. Eine derartige Initiative hat es nach unserer Meinung später nur noch einmal beim Bau des Brünloser Freibades gegeben. Finanzielle Vergütung gab es natürlich nicht, ja selbst für Getränke und Verpflegung musste jeder selbst aufkommen. An den Sonntagen arbeiteten oft 40-50 Freiwillige. Endlich war es so weit. In einer Festwoche vom 7.–11. Oktober 1953 erfolgte die Einweihung des neuen Brünloser Waldsportplatzes und gleichzeitig wurde  am 10. Oktober die Betriebssportgemeinschaft „Fortschritt“ Brünlos ins Leben gerufen. Der erste Vorsitzende war Rudolf Seidel, der 1956 die Leitung an Wilfried Hähnel übergab.

 

Mit der Einweihung des Waldsportplatzes und der Gründung der BSG „Fortschritt“ Brünlos, begann eine neue Epoche des Brünloser Sports und ist somit auch der Ausgangspunkt unseres Jubiläums 60 Jahre Sportverein.

Bis zur Wende wurde sehr erfolgreich in den Sektionen Fußball, Turnen, Volleyball und zeitweise Leichtathletik, Wintersport und Gymnastik Sport getrieben. In den 80er-Jahren lag die die Mitgliederzahl immer knapp über 300. Das waren immerhin etwa 20 Prozent der Einwohner von Brünlos, ein Spitzenwert im Kreis Stollberg.

Mit dem am 21.2.1990 beschlossenen Vereinigungsgesetz verloren mit Wirkung vom 21.8.1990 alle bisherigen gesellschaftlichen Organisationen (auch die BSG „Fortschritt“ Brünlos) ihre Rechtsfähigkeit.

Die Sportler einigten sich schließlich, dass der für Brünlos sinnvollste Weg die Gründung eines neuen Vereins mit den bisherigen Sportarten ist. Viele organisatorische Fragen wie Kontenumstellung, Versicherungsschutz, Beantragung der Gemeinnützigkeit  und eine Reihen von anderen Aufgaben wurde von einem sehr kleinen Kreis von Sportlern gelöst. Vor allem Manfred Auerswald, Konrad Seidel und Dieter Krebs ergriffen bei den Vorbereitungen die Initiative, so dass schließlich am 11. Juli 1990 die Gründungsversammlung des Turn- und Sportvereins Brünlos e.V. stattfand. Dieser neue Sportverein trat damit die direkte Rechtsnachfolge der BSG Fortschritt Brünlos an. Der 1. Vorsitzende war Manfred Auerswald, der vom heutigen Vorsitzenden Falk Zölsmann 1995 abgelöst wurde.

 

Dieser kurze, historische Rückblick sollte einmal die Entstehungsgeschichte des heutigen Turn- und Sportvereins darstellen und Dank und Anerkennung den Sportfreunden, Helfern, Sponsoren und Zuschauern erweisen, die 1887 den Grundstein legten, die mit der Gründung der BSG „Fortschritt die Weichen nach den 2. Weltkrieg stellten und letzten Endes, die diesen Weg mit dem TSV Brünlos e.V. bis heute fortführen.

Quelle: Auszug aus dem Zwönitzer Amstblatt 08/2013

Autor: Dieter Krebs

 

 

Bilder aus der Zeit

12.-13. August 1902 am Deutschen Hof (Alte Stollberger Straße) 15 jähriges Stiftungsjubiläum der Fahne

Turnplatz Felix-Küchler Str. (ehemals Kurze Straße)

Knabenmannschaft des Ballspielvereins auf dem Platz am Eisenweg (im Hintergrund ist die heute noch stehende Erlerscheune zu sehen)

Das „Volkshaus“

Die Arbeitersportler gründeten das „Sport-Kartell“. Mit Geldspenden und vielen Arbeitseinsätzen baute sich 1928/30 die Brünloser Arbeiterschaft in unmittelbarer Nähe des neu errichteten Fußballplatzes ein eigenes Vereinsheim.

Anteilsschein zum Bau des Volkshauses

Eine Besonderheit waren die sogenannten Anteilsscheine. Mit diesen Anteilsscheinen gaben die Mitglieder des Vereins, ein zinsloses Darlehn, das zur Finanzierung des Heimbaues diente.

Die Turnerriege , Blick Richtung

v. l. 3. Roth Emil, 5. Selbmann Helmut, 6. Herbert Flemmig, 8. Neubert Bruno, 10. Bochmann Fritz, 13. Schneider Franz

Die Mannschaft des Turnvereins zum Turnfest in Annaberg-Buchholz 1936

stehend v. links 1. Bochmann Fritz, 2. Neubert Bruno,

3. Bonitz, 4. Drechsel Erich,

5. Bonitz 6. Möckel Kurti,

7. Hähnel Walter, 8. Seidel Rudolf, 9. Flemmig Herbert,

10. Möckel Harti, 11. Auerswald Walter, 12. Markert Walter,

13. Böttger Werner

sitzend v. links 1. Walther Armin, 2. Nadler Paul, 3. Walther Helmuth

Alter Sportplatz am Volkshaus etwa 1940

 

hinten v.l. 1. Viehweger Helfried, 3. Röhner Helmut,

4. Barth Rudi, 5. Fankhänel Heini, 6. Krebs Rolf, 7. Richter Harry, 8. Schwind Kurti, 9.Steinbach Karl

unten v.l. Voigt Siegfied,  Barth Walter, Becher Horst